Ein Nachruf von Johannes Dallheimer

Junge Liberale Nürnberg trauen um Gründer Wolfram Unger
Die Jungen Liberalen Nürnberg trauern um ihren Mitgründer Wolfram Unger.
Der ehemalige FDP-Stadtrat und Träger des Bundesverdienstkreuzes trat 1968 in die liberale Partei ein und gestaltete sie bis vor kurzem noch sehr aktiv mit. Sein Tod ist ein Verlust für die gesamte liberale Familie.

Ich durfte Wolfram auf vielen Parteitagen und Vorstandssitzungen als lebensfrohen, sympathischen und optimistischen Menschen kennenlernen. Sein Einsatz für Kultur und Kunst war allgegenwärtig, obwohl ich, wie viele andere, ihn gar nicht zu Stadtrats-Zeiten kennengelernt hatte.
Wolfram war kein Rebell, sondern zutiefst pragmatisch. Doch manchmal muss der Pragmatiker auch einsehen, dass das Rebellentum der einfachere Weg ist. So gründete er während den 68ern mit einem kleinen Kreis eine Gegengruppierung zu den Jungdemokraten, die allgemein weit nach links, teilweise linker als die Jungsozialisten der SPD, gerutscht waren. Die Jungen Liberalen in Nürnberg waren geboren. Doch kampflos überließen die JuDos den JuLis das Feld nicht. Gerade in der ersten Zeit glich das Auftreten in der FDP als neue Jugendorganisation fast schon einem Spießrutenlauf, was sich dann allerdings aufgrund viel ähnlicher Beschlusslage schnell änderte.

Womöglich kam aus dieser Zeit auch seine Geisteshaltung, die man sie nicht mehr oft in der Politik findet. Denn obwohl er in seinen vielen Lebensjahren unzählige Erfahrungen sammeln konnte, lag ihm viel daran, der Jugend zuzuhören und sie zu motivieren, ihre eigenen Wege zu gehen. Nicht alles, was schon immer so war, war schon immer gut – und so freute er sich, wenn wir, die Jungen, ihn nach der alten Zeit fragte, drängte sich sonst aber nie auf oder kritisierte die Vorhaben der JuLis.

Das letzte Mal zu diesem Anlass war die Vorbereitung zur Bundestagswahl. Zusammen mit Hans Rösler und Alexander Liebel erzählte er von den 68ern, den Anfängen der JuLis und den Konflikt mit der DDR. Wir, die jungen Leute, waren fasziniert, Berichte aus erster Hand zu hören, die wir sonst nur aus Geschichtsbüchern kannten.

Ach, wir hätten noch so viel von ihm lernen können. Nun werden wir ihn als einer unsere Gründer im besten Andenken bewahren und die Jungen Liberalen auch in seinem Sinne weiter voranbringen – jung, kritisch, pragmatisch – aber wenn es sein muss, auch rebellisch!

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